— ZANT.AT — Durchgezappt XL – Winterspiele

Text: Steffen Anton und Daniel Zant

Sofern uns der Klimawandel dieses Jahr gnädig ist, liegt heuer draußen eine wunderschöne weiße Decke aus frischem Schnee. Zudem sind gerade die olympischen Winterspiele in vollem Gange, perfekter Anlass also für etwas eigene körperliche Betätigung in dieser herrlichen Pracht. Wer jedoch lieber drinnen bleiben und sich am heimeligen Herd warm halten möchte, der kann sich immerhin dem virtuellen Wintervergnügen hingeben. Daher schauen wir uns heute einmal eine Auswahl der interessantesten winterlichen Spiele auf 8- und 16-Bittern an. st/dz

Die Olympioniken

THE GAMES: WINTER CHALLENGE (SEGA MEGA DRIVE)

Die Firma Accolade wurde zwar vor allem für ihre Test-Drive-Reihe bekannt – dass sie jedoch auch andere Sportarten umzusetzen wusste, beweist uns dieses Spiel. Denn das Thema Olympische Winterspiele wurde hier trotz fehlender offizieller Lizenz erstmals 16-Bit-würdig abgehandelt. Als Spieler kann man zwischen acht Disziplinen wählen, wobei Skispringen, Bobfahren und Biathlon am meisten Spaß machen. Präsentiert wird das Ganze in – der Zeit angemessener – ordentlicher Vektorgrafik. The Games: Winter Challenge wurde 1991 für MS-DOS und Sega Mega Drive veröffentlicht und erhielt ein Jahr später einen sommerlichen Nachfolger. Vor allem mit mehreren menschlichen Gegnern macht es nach wie vor einen Heidenspaß!

WINTER GAMES (COMMODORE 64)

Nachdem man sich 1984 bereits wie ein Olympionike im Sommer fühlen durfte – auch wenn das Spiel nicht die offizielle Lizenz vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hatte – transportierte Epyx ein Jahr später dieses Gefühl in den Winter. Und was soll man sagen? Es funktioniert! Bis zu acht Spieler messen sich in Sportarten wie Bobfahren, Eiskunstlauf oder Skisprung und kämpfen herrlich kurzweilig um die Medaillen. Der Nachfolger The Games: Winter Edition konnte diesen Kultstatus leider nicht aufrecht erhalten. Dafür gab es 1986 bei den World Games mit Barrel Jumping und Slalom zwei Sportarten, die eindeutig der kalten Jahreszeit zugeordnet werden können. Barrel Jumping wird übrigens als deutsche Sportart dargestellt und hat mit dem Wiener Klassiker Oh du lieber Augustin eine äußerst nette musikalische Einleitung.

WINTER OLYMPICS (SEGA MASTER SYSTEM)

Olympische Winterspiele, die Dritte. Pünktlich zu den Wettkämpfen in Lillehammer 1994 erschien eine offizielle Versoftung des Großevents für sämtliche denkbaren Plattformen. An dieser Stelle soll hauptsächlich auf die Version für Sega Master System eingegangen werden. Entwickelt wurde Winter Olympics von der Firma Tiertex, der Vertrieb erfolgte durch U.S. Gold. Ganze zehn verschiedene Disziplinen können im Kampf um Medaillen absolviert werden, dabei wechselt die Perspektive je nach Sportart. Während Bobfahren und Rennrodeln aus einer Pseudo-3D-Ansicht gezeigt werden, sieht man die anderen Wettkämpfe von schräg oben. Technisch kann das Modul durchaus überzeugen, jedoch kommt durch die hakelige Steuerung sowie viele ähnliche Disziplinen recht schnell Langeweile auf. Einen Blick wert ist es dennoch, denn es ist das einzige dieser Gattung für Segas 8-Bit-Konsole.

SUPER SKI II (ATARI ST)

Wie wir bereits gelernt haben, gibt es unzählige Spiele, die sich den olympischen Winter-Disziplinen widmen, aber keines macht dies so schwungvoll wie Super Ski II aus dem Jahr 1992. Man mag zu dem Spiel stehen wie man will, aber der Sound im Ladebildschirm vor der jeweiligen Disziplin in Verbindung mit den anschließenden Ski-Rennen (Riesenslalom, Slalom und Abfahrtsrennen) suchen in dieser Kombination ihresgleichen. Die Goldmedaille ist in diesen Disziplinen mit ein bisschen Übung garantiert. Ergänzt wird das ganze Spektakel in den französischen Alpen mit den Disziplinen Bobfahren, Skisprung und Buckelpiste – welche erstmals in einem Computerspiel spielbar war – die ebenfalls sehr ansprechend präsentiert werden. Also angeschnallt die Bretter, die die Welt bedeuten (können), und ab geht’s ins Vergnügen.

Kufensport

EISHOCKEY MANAGER (AMIGA)

Software 2000 – bekannt durch die Bundesliga-Manager-Reihe – wagte sich daran, sein bereits erfolgreiches Konzept der Manager-Spiele mit Eishockey zu verbinden. Wie von den Fußball-Manager-Titeln bekannt, gibt es auch hier reichlich Möglichkeiten, sich um Mannschaft, Finanzen und Training zu kümmern. Man übernimmt eine bestehende Mannschaft, baut Jugendspieler auf, wird am Transfermarkt aktiv, schließt Sponsorverträge ab und macht mit der Bank Geschäfte. So schafft man nach einigen Saisons den Sprung von der Oberliga in die höchste Spielklasse, um dort um die Meisterschaft zu spielen. Bis ein Pokal in den virtuellen Händen gehalten werden darf, vergeht allerdings viel Zeit – die ideale Beschäftigung also für die kalten Tage.

NHL HOCKEY (SEGA MEGA DRIVE)

Eishockeysimulationen gab es bereits in den 1980er Jahren für verschiedene Systeme – mit durchwachsener Qualität und mittelmäßigem Erfolg. Doch erst im Jahr 1991 löste EA Sports den gordischen Knoten: NHL Hockey erschien für Sega Mega Drive und schlug ein wie eine Granate. In den folgenden Jahren wurden dann auch die Besitzer des SNES sowie PCs mit einer Variante bedacht. Erstmals hatte man alle Lizenzen der nordamerikanischen Profiliga und erlaubte dem Spieler somit, Legenden wie Wayne Gretzky und Mario Lemieux zu steuern. Stichwort Steuerung: Diese ist das mit Abstand herausstechendste Merkmal der Serie. Nie war es befriedigender, mit einem präzisen Pass den Torwart auszutricksen und den Puck zu versenken. Gepaart mit einer einzigartigen Atmosphäre (man achte auf die Stadion-Orgel) ergibt sich das perfekte eisige Spielvergnügen. So wird der Controller erst wieder zur Seite gelegt, wenn der Stanley Cup gewonnen und in die Höhe gestemmt wurde. Folglich es auch kein Wunder, dass die Reihe seitdem jährlich fortgesetzt wird.

Hüpfen und Springen

JAMES POND 2 – CODENAME: ROBOCOD (ACORN ARCHIMEDES)

Nachdem der amphibische Unterwasseragent – der in seinen Charakterzügen Ähnlichkeiten mit einem Geheimagenten im Dienste Ihrer Majestät hat – im ersten Teil die Meere vor einer Ölkatastrophe und bösen Meeresbewohnern rettete, findet er sich dieses Mal am Nordpol wieder. Dort versucht er seinem Widersacher Dr. Maybe, der nun in böser Absicht die Kontrolle über die Werkstatt des Weihnachtsmannes übernommen hat, endgültig das Handwerk zu legen. Dabei hilft ihm auch ein neuer, toller Roboter-Anzug, der ihn stärker macht und ihn ansonsten unerreichbare Stellen erklimmen lässt. Dass es am Nordpol kalt ist: Selbstredend. Dass die Präsentation jedoch herzerwärmend ist: Wohl eher weniger. Bei Codename: Robocod ist vieles in sich stimmig und verbreitet eine Wohlfühl-Stimmung, wie es sonst nur Nintendo-Plattformer können. Technisch passt auch alles, nur der Schwierigkeitsgrad hat es in sich: Der Titel richtet sich an Plattform-Könner – das Ende werden wohl nur die Wenigsten jemals gesehen haben. Nur soviel: Es führt zu einem dritten Teil auf einem Erdtrabanten, wo es noch deutlich kälter sein kann als am Nordpol.

SUPER MARIO BROS. 3 EISWELTEN (NES)

Eigentlich gibt es eine ganze Anzahl an Mario-Spielen, die sich dem Thema Schnee und Eis widmen – schließlich zählen Eislevel hier fast zum guten Ton. Zudem mag es auch andere Jump-n‘-Run-Helden geben, die sich ab und an in eisigen Gefilden wiederfinden. Stellvertretend für all diese nehmen wir die Eiswelt aus Super Mario Bros. 3 ins Visier. Wieso wir das tun? Weil es die erste vollkommene Eiswelt in der Serie ist, für die es auch eine Weltkarte gibt und weil das spürbare und optische Feedback der Eisfläche für damalige Zeiten, wenn man die Hardware-Limitierung des NES berücksichtigt, eine technische Meisterleistung darstellt. So lässt es sich quasi als Blaupause für alle Plattformer, die sich auch heutzutage gerne dem Thema Eis widmen, verstehen.

JAZZ JACKRABBIT: HOLIDAY HARE (MS-DOS)

Die PC-Spiele-Branche war Anfang der 1990er Jahre in einem Dilemma: Nintendo hatte Mario, Sega hatte Sonic – doch Jump ‘n’ Runs für MS-DOS? Mangelware! Das dachte sich auch die Firma Epic MegaGames und hob 1994 Jazz Jackrabbit aus der Taufe. Er hatte alles, was es ein erfolgreicher Spieleheld brauchte: ein niedliches Äußeres, eine gewisse Coolness und – eine mörderische Geschwindigkeit. Kein Wunder, dass der Hase die Herzen der Spieler im Sturm eroberte. Ende des Jahres erschien dann ein Addon, welches für viele noch heute als „das Weihnachtsspiel schlechthin“ gilt: Holiday Hare. Begleitet von rockigen Versionen diverser Weihnachtslieder darf Jazz sich hier durch drei winterliche Runden kämpfen und dabei so viele Zuckerstangen einsammeln wie möglich. Wenn das mal keine Bauchschmerzen gibt!

ICE CLIMBER (NES)

RETURN-Leser werden diesen Titel möglicherweise kennen. Aber kennen Sie auch die Namen der beiden Protagonisten? Diese lauten Pepe und Nana und zumindest einprägsam sind sie, die Namen der beiden Inuit. Sie deuten jedoch auch an, dass diese Charaktere – obwohl knuddelig inszeniert – wohl keine tiefgründigen Persönlichkeiten ihr Eigen nennen werden. Dennoch haben sie das Herz am rechten Fleck und versuchen für Gerechtigkeit einzutreten. Was war passiert? Das Essen des Dorfes wurde durch einen Kondor gestohlen und auf den nächsten Berg verschleppt. Flugs machen sich Pepe und Nana nun auf, alles wieder zurück zu holen, jeweils mit einem Hammer ausgerüstet. Dazu müssen sie 32 unterschiedliche Berglevel bezwingen. Der Spieler arbeitet sich von unten nach oben vor und darf nicht von den Ebenen herunterfallen oder von einem Gegner, wie zum Beispiel Vögeln oder Eisbären, berührt werden. Rutschige Eisflächen erschweren das heroische Vorhaben der beiden ebenfalls. Ein Titel, der im Zweispieler-Modus zur Höchstform aufläuft und unbedingt zu empfehlen ist.

Winter bunt gemischt

GARFIELD: WINTER’S TAIL (ZX SPECTRUM)

Was macht ein fauler und verfressener Kater, wenn der Kühlschrank weit offen steht und es kalt im Haus ist? Natürlich: Sich so fest in seine Decke kuscheln, dass es ihm wohlig warm wird. Und dabei gleichzeitig, der kalten Temperaturen wegen, von Abenteuern im Winter träumen. Beginnend mit einer gefährlichen Skiabfahrt mit einer Lasagne-Fabrik als erstem Ziel und weiter in eine Schokoladenfabrik, wo man die schokoladeneierlegende Henne finden muss. Zum Abschluß darf dann noch ein Lauf auf dem Eis nicht fehlen, damit der faule Kater das nächstgelegene Schweizer Dorf erreicht. Ein optisch einwandfreier Titel, der allerdings spielerisch als maximal unterdurchschnittlich eingeordnet werden kann. Die Steuerung ist ungenau und macht nicht immer das, was man möchte – teilweise sehr frustrierend! Dennoch sollten es sich Katzenliebhaber mit einer Tasse warmen Kakaos gemütlich machen, ihre Erwartungen herunterschrauben und versuchen, den Titel zu genießen. Falls das mit dem Spielgenuss nicht möglich ist, bleibt wenigstens immer noch der Kakao.

X-MAS LEMMINGS (MS-DOS)

Über die kleinen wuseligen und suizidgefährdeten Nager von Psygnosis und DMA Design braucht an dieser Stelle wohl nicht mehr viel gesagt zu werden – unter anderem, weil sich in unserer Ausgabe 27 ein ausführlicher Bericht hierzu befindet. Da sich unter den zahlreichen Ablegern und Fortsetzungen jedoch auch mehrere Weihnachts-Specials befinden, macht das die Sache im Hinblick auf das Thema dieses Artikels aber doch noch mal erwähnenswert. Nun, Weihnachten ist schon seit ein paar Tagen Geschichte. Aber unsere X-Mas-Lemmings spazieren mit roter Nikolausmütze durch wunderschön gepixelte Winterlandschaften inklusive hüpfender Schneemänner, begleitet von Jingle Bells und Rudolph the Rednosed Reindeer. Kann es etwas Stimmungsvolleres geben?

OsWALD (Amiga)

Kennen Sie Ivan Solvason? Der Däne hat den unsäglichen Charakter Hugo zu verantworten, der es unter anderem als Telefonspiel ins deutsche Fernsehen geschafft hatte. Das Prinzip dabei ist simpel: Die Steuerung ist darauf ausgelegt, dass man den Charakter auch mit einem Tastentelefon durch seine Abenteuer manövrieren kann. Und vor Hugo gab es OsWALD, ebenfalls von Ivan Solvason, ebenfalls als TV-Spiel, jedoch exklusiv in Dänemark. Heimcomputer-Umsetzungen für Amiga, C64 und DOS schafften es allerdings auch in den deutschsprachigen Raum. Worum geht es? Man muss mit dem namensgebenden Protagonisten im 8-Wege-Prinzip von einer schwimmenden Eisscholle zur nächsten hüpfen, bis das Ziel erreicht ist. Dabei stellen sich unzählige Gefahren in den Weg, wie etwa Vögel oder Wilderer, die dem Bären ans Fell wollen. Geschenke, die herrenlos auf den Eisschollen anzutreffen sind, werden gerne eingesammelt – das ist dann schon alles, was man über das Spiel wissen muss. in Summe: sympathisch und harmlos präsentiert. Der Nachfolger Super OsWALD erschien ein Jahr später, beinhaltet einen Zwei-Spieler-Modus und man darf nun im Super-Modus auch in der Luft Gegenstände einsammeln.

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1 Antwort zu — ZANT.AT — Durchgezappt XL – Winterspiele

  1. Jack Chrobatos sagt:

    Legendary NHL 95, zumindest die Sega Mega Drive Version!

    Trotz des miesen *Bugs, immer noch das beste Eishockey spiel (neben EA Hockey) für mich, damals war so viel neues in das Modul “eingebaut” worden, neben dem Full Season Mode und die NHL Season Awards, gabs da erstmalig auch “Create a Player” Feature mit den lustigen “5 Games Player Injuries”, es gab da auch noch die fülle an Statistiken die es Heute mittlerweile nimmer in denn EA Hockey Titeln gibt, wie zbsp. wenn ein Verteidiger einen Tor verhindert hat, oder ein Torschütze halt Hattrick geschossen hat, da gabs nach dem Spieltag einfach einen eintrag in der Statistik oder die “Other Scores” da könnte man hin und her die vergangenen Spieletage unter die “Lupe” nehmen, das war ein enormer Boost für die Langzeitmotivation, in der Liga war endlich was los, neben simplen und schönen Tabellen und und und…

    Ja man kann immer noch sehr leichte “Bauerntrick” Tore schießen und fast jeder one-timer sitzt aber mit 4 weiteren freunden offline vor der glotze zu zocken ist unschlagbar, über 6 Monate lang, am jeden darauffolgenden wochenende haben wir es stundenlang gespielt, bis eben unsere Teams die 128 Punkte anzahl in der “regular season” erreicht haben, “little did we know back then”, there was an “byte” bug, dieser bis zu 128 punkte “dreistellige” byte *Bug verhinderte den Aufstieg in die Playoffs, tja mit 127 punkten wäre ich durch gewesen aber meine Penguins und die Flyers erreichten deswegen damals die Playoffs nicht 🙂

    Damals gabs auch kein Internet, keine patches, keine Infos diesbezüglich und keiner von uns wurde ja darauf hingewiesen 🙂
    aber hey ein tolles feature von NHL 95 ist und war ja das man jede partie spielen kann, selbst wenn es die Eigene Mannschaft nicht schafft, nimmst du dir halt eine andere 🙂

    Kurze zeit danach holte ich mir auch noch die SNES Version aber es war nicht mehr die selbe und das selbe!

    NHL 95 Forever!
    just for the great memories

    MfG
    Jack

    P.S.: nhl94.com , hat immer noch eine tolle modding community

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