— ZANT.AT — Crossover – Toobin’

Die Heimumsetzungen

Für die Portierungen im Allgemeinen muss erwähnt werden, dass keine der Heimversionen alle Möglichkeiten der Arcade-Version bietet. So ist es zum Beispiel allgemein nicht möglich, den Alligator zur Strecke zu bringen oder aber es fehlen manche Abzweigungen und Gegenden. Außerdem paddelt man in den meisten Heimversionen eher durch einen gefühlten Schlauch anstatt drei Etappen mit je drei unterschiedlichen Leveln in Angriff zu nehmen. Des weiteren fehlt der CPU-Kontrahent Floatsam, und die Steuerung ist, bis auf NES und Game Boy Color, sehr gut für Joysticks umgesetzt worden: Feuerknopf zum Dosenwurf, links oder rechts für die jeweilige Drehrichtung um die eigene Achse mit leichter Vorwärtsbewegung in eben jene Richtung, vor oder zurück für das Paddeln nach vorn oder zurück. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer Keyboard-Steuerung, die sich ähnlich der Steuerung des Automaten anfühlen sollte – tut sie allerdings nicht.

ZX Spectrum (Port: Teque Software Development Ltd., Publisher: Domark Ltd., 1989)

Wie schlägt sich die Spectrum-Version? Natürlich gibt es den optisch typischen Spectrum-Charme, das wirkt auch bei Toobin‘ ganz gut. Gegner und Objekte sind, bis auf ein paar Ausnahmen am Rand, klar auszumachen. Der Sound ist annehmbar, ab und zu werden Effekte auch akustisch begleitet. Ärgern muss man sich über eine ungenaue Kollisionsabfrage. Insgesamt also ein Spiel, das am ZX Spectrum keine Berge versetzen kann.

CPC (Port: Teque Software Development Ltd., Publisher: Domark Ltd., 1989)

Identisch zur Spectrum-Version hat diese hier allerdings den Nachteil, dass sie zu gemächlich und viel zu farbarm wirkt. Dennoch sind alle Objekte klar erkennbar. Abgesehen von der hörbaren Musik, die solide vor sich hindudelt, sind sonst keine Geräusche zu vernehmen. Auch hier besteht eine ungenaue Kollisionsabfrage.

MSX (Port: Teque Software Development Ltd., Publisher: Domark Ltd., 1988)

Was für die Amstrad-Version gilt, kann man direkt auch über die MSX-Version sagen. Diese Umsetzung ist ebenfalls langsam, bietet keinerlei Soundeffekte, gepaart mit einer ungenauen Kollisionsabfrage. Hinzu kommt, dass der Sound in der MSX-Version definitiv der schlechteste aller Portierungen ist. Aber zumindest haben wir hier Musik, was die DOS-Version zum Beispiel nicht von sich behaupten kann. Das Ganze geht einher mit einer sauberen, aber hässlichen Optik. An sich nichts Spektakuläres.

C64 (Port: Teque Software Development Ltd., Publisher: Domark Ltd., 1989)

Diese Version besticht durch das herausragende Merkmal, dass sie äußerst flott läuft, Toobin‘ auf Speed sozusagen. Das funktioniert überraschend gut. Das Scrolling bleibt dabei stets flüssig, die akustische Untermalung ist gelungen, die Kollisionsabfrage stimmt hier ebenfalls. Das beste 8-Bit-Toobin‘ das man für zu Hause haben kann.

NES (Port & Publisher: Tengen Inc., 1989)

Sind wir schon auf die Steuerungsfinessen der Heimcomputer-Versionen eingegangen, die sich logisch und analog zur Steuerung der Arcade-Version anfühlen? Nun, das alles bietet die NES-Version nicht! Unlogisch ist die Steuerung zwar nicht direkt, lässt allerdings das Gefühl vermissen, welches das Spiel Toobin‘ ausmachen sollte. Im Detail: Gesteuert wird mit dem Steuerkreuz und die Spielfigur bewegt sich in die Richtung, die am Steuerkreuz des NES-Pads gedrückt wird – Ende! Irgendwie reizlos im Vergleich zur Arcade-Version. Und weil das Drehen um die eigene Achse der Spielfigur mit dieser Art der Steuerungs-Umsetzung wohl nicht vereinbar ist – oder es gar technisch nicht möglich war? – schaut die Spielfigur immer stromabwärts, egal in welche Richtung man sie bewegt. Als das i-Tüpfelchen der fragwürdigen Portierung präsentieren sich die A- und B-Buttons des Pads. Mit diesen werden, wie in allen anderen Versionen, die Getränkedosen verschossen, allerdings links bzw. rechts diagonal nach unten. Gefühlte zwei Bewegungs-Animationen runden die zweifelhafte Erscheinung dieser Version ab. Grafisch sieht es nach einem typischen NES-Spiel seiner Zeit aus, allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass man hier farblich hätte mehr herausholen können. Der Sound ist unspektakulär, aber klar zu erkennen. Diese Portierung bietet allerdings noch weitere Eigenheiten. Zum einen erfolgt der Wechsel der Flussgebiete nicht fließend, wie in allen anderen Versionen. Vielmehr erreicht man hier das Ende des Bereichs, indem der Bildschirm einfach nicht mehr weiter nach unten scrollt, man stößt also unten an – nach einer kurzen Zwischenmeldung beginnt man in einem neuen Gebiet wieder oben. Dieses Spielchen wiederholt sich, bis das Spiel beendet wurde. Zum anderen wartet auf den Spieler etwas sehr Frustrierendes: verliert man ein Leben, wird man zum Anfang des Levels gewarpt und kann nicht, wie in allen anderen Versionen des Spiels, dort weitermachen, wo man gerade sein Leben gelassen hat. Glücklicherweise muss man seine Freunde damit nicht quälen, denn diese Version unterstützt keinen Zweispieler-Modus. Die Umsetzung ist zwar kein Totalausfall, aber da hätte man schon mehr daraus machen können.

Amiga (Port: Teque Software Development Ltd., Publisher: Domark Ltd., 1989)

Nun kommen wir zu den 16-Bit-Heimcomputer-Umsetzungen des Spiels. Beginnen wir mit dem besten Port, der Amiga-Version um danach bei den Umsetzungen für Atari ST und DOS auf Abstriche im Vergleich zur Amiga-Version verweisen zu können. Kurz gesagt: Hier passt vieles richtig gut. Steuerung: Top! Gute Kollisionsabfrage: Gecheckt! Sound: Kommt der Arcade-Version sehr nahe! Grafik: Läuft sauber und flüssig den Fluss hinab! Da kann man nicht meckern. Wer also das Feeling des Toobin‘-Automaten nach Hause holen will ohne sich das Cabinet ins Zimmer zu stellen oder sonstige Emulationen der Arcade-Version scheut, ist hier richtig. Auch wenn es – genauso wie die anderen Versionen für zu Hause – mit abgespeckten Leveln aufwartet.

Atari ST (Port: Teque Software Development Ltd., Publisher: Domark Ltd., 1989)

Kurz und knapp: identisch zur Amiga-Version. Allerdings, und das ist zu erwarten, kommt der Sound nicht ganz so kraftvoll wie auf dem Amiga daher. Auch die Soundeffekte leiden darunter und werden schmerzlich vermisst. Atari-Jünger können also auch hier mit einem Probespiel wenig falsch machen.

DOS (Port: Teque Software Development Ltd., Publisher: Domark Ltd., 1989)

Wer die Wahl hat zwischen Amiga, Atari und DOS, sollte eine der beiden ersteren Optionen bevorzugen. Die DOS-Version ist, je nach Grafikstandard, mal mehr, mal weniger hübsch, entfaltet allerdings in der VGA-Version ihr ganzes Potential und steht der Amiga-Version dann auch in wenig nach. Jedoch, und das ist ein großer Minuspunkt, hapert es am Sound. Effektgeräusche sind vergleichsweise mickrig und es will keine Stimmung aufkommen, da die treibende Musikbegleitung gänzlich fehlt, welche ja doch einen beträchtlichen Teil des Spielflairs ausmacht. Also hier nur eine bedingte Empfehlung, wenn gerade kein Amiga oder ST zur Verfügung steht.

Game Boy Color (Port: Digital Eclipse Software Inc., Publisher: Midway Home Entertainment Inc., 2000)

Der Nachzügler der Toobin‘-Portierungen hätte sicherlich auch Jahre zuvor in vier Graustufen passabel ausgesehen, wenn man vergleicht, mit wie wenigen Farben andere Portierungen auskommen. Aber es tut dem Titel gut, dass er in Farbe erschien. Man hat versucht, optisch alles Mögliche aus dem Handheld herauszuholen und dabei so nahe wie möglich (auch spielerisch) ans Original zu kommen, was man aber durchaus auch als Achillesferse dieser Version sehen kann. Zur Grafik: Diese kann man als gelungen, aber billig erkauft, bezeichnen. Es kommt zu häufigen Slowdowns und die Punkteanzeige auf der rechten Seite des Screens verschwindet manchmal, wenn das System der Meinung ist, durch sie könnte etwas Relevantes verdeckt sein. Insgesamt hätte man das Format dieses quadratischen und eingeschränkten Bildschirms anders nutzen müssen, um es gelungen aussehen zu lassen. Außerdem ist es manchmal schwer zu unterscheiden, ob man gerade auf ein brauchbares Objekt oder auf einen feindlichen Gegenstand zusteuert. Die Steuerung macht es dabei um nichts einfacher. Im Gegensatz zur NES-Version dreht man mit dem Steuerkreuz die Spielfigur nun tatsächlich um die eigene Achse, so wie es sich gehört. Allerdings bewegt man sich nicht mit dem Steuerkreuz vorwärts, dies wird von einem Actionbutton übernommen, während man gleichzeitig versucht, mit dem Steuerkreuz den Wasserreifen zu manövrieren. Diese Art von Steuerung ist anstrengend und man stößt dementsprechend unnötig oft an Hindernisse; ein Krampfspiel für äußerst Geduldige. Zum Glück ist auch dieses Leid dank eines fehlenden Mehrspielermodus nicht teilbar, so dass wohl manchen Freundschaften diese Belastung erspart bleibt.

FAZIT

ZX Spectrum – 6 von 10 – Solide Umsetzung, aber belanglos.

Amstrad CPC – 5 von 10 – Fällt im Vergleich zur Spectrum-Version noch etwas ab.

MSX – 4 von 10 – Etwas schwächer als die Amstrad-Version.

C64 – 7 von 10 – Bester 8-Bit-Port ohne große Mängel und mit jeder Menge Speed.

NES – 4 von 10 – Fragwürdige Designentscheidungen bei der Steuerung.

Game Boy Color – 3 von 10 – Eklatante Steuerungsschwächen lassen keine bessere Wertung zu.

Amiga – 9 von 10 – Hier passt alles, was im Rahmen des Möglichen angeboten wird.

Atari ST – 8 von 10 – Leichte Abstriche zur Amiga-Version, ansonsten ebenfalls top.

DOS – 7 von 10 – Klar die schwächste 16-Bit-Fassung, trotzdem gut.

Wer zu Hause nach dem vollen Arcade-Erlebnis sucht und den Automaten nicht sein eigen nennt, wird mit den Heimumsetzungen nur bedingt glücklich. Allerdings gibt es dank Compilations auf moderneren Konsolen bzw. MAME und Archive.org auch andere Möglichkeiten, das Original zu Hause nachzuholen. Am Sympathischsten ist allerdings die Möglichkeit, das Spiel im Midway Arcade Level Pack von LEGO Dimensions freischalten zu können. Fehlt im Grunde nur noch der 5-Button-Controller zum Nachbau für ein authentisches Erlebnis.

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